
Frauen 4 Business – Elke Häusler
"Frauen 4 Business"
Eine Interviewreihe mit Frauen im Beruf, in der Selbständigkeit und in der Kunst.
Fragen rund um den Job, das Herzblut und die Passion und das Leben im Allgemeinen.
Heute zu Gast bei mir:
Elke Häusler
Künstlerin
aus Weingarten
Du bist Künstlerin. Mit welchen Materialien arbeitest du und warum?
Ich kann mich nicht auf wenige Materialien beschränken, weil ich ständig auf der Suche nach Neuem bin und das dann entsprechend hinzufüge/einarbeite. Die wichtigsten sind zunächst viele unterschiedliche Papierarten und Leinwand; Farben wie Acryl, Kreiden, Lacke, Pastell, Aquarell. In die Bilder werden Materialien wie Kunststoffe, Naturmaterialien, Stoffe, Textilien, Abfallprodukte etc. eingearbeitet. Oder aber: ein Bild, ein Strich mit Kohle und sonst nix.
Wie findet dein Ausdruck zu dir?
Keine Ahnung.
Und was drückst du aus in deiner Arbeit, deinen Werken?
Das, was mich grad bewegt oder auf mich zukommt oder mich überrascht oder schockiert…
Bei meiner Autorentätigkeit drücke ich aus, was ich beobachte, höre, spüre… oder was ich schon erlebt hab oder gerne hätte, und das wird wiederum umphantasiert, über- oder untertrieben und mit allen möglichen Sprachformulierungen ausgedrückt.
Hast du aktuell eine Ausstellung?
Ja, in der Marktwelle in RV, und neulich eine im Atelier in Wgt, und im November während des tollen „Freitag im November“-Events im Kapuziner.
Gibt es die Möglichkeit, deine Arbeiten aus den letzten Jahrzehnten anzuschauen?
Nach Absprache ja.
Magst du Äpfel?
Sehr, sehr, sehr, am liebsten Topaz oder Glockenäpfel oder Boskoop, am wenigsten die durchgestylten Granny Smith, da meine ich, ich beiß auf künstliche Intelligenz, und die ist mir in vielen Fällen suspekt, auch wenn das Fruchtfleisch noch so verführerisch schmecken mag ...Äpfel in meiner Kunst gibt es logischerweise, bestimmt hab ich irgendwann mal ein Stillleben mit Apfel gemalt/skizziert, oder ein apfelähnliches Gebilde hockt am Rande von einem Bild oder angeberisch mittendrin. Gott sei Dank haben Äpfel die unterschiedlichsten Farben, so können sie sich völlig unerkannt irgendwo verstecken.Ja, und bei meinen Geschichten kamen und kommen und werden Äpfel auf welche Weise auch immer vorkommen, jeder kennt das Gleichnis mit der Verführung ...
Wenn alles möglich wäre: Was würdest du tun? Im Leben und in der Kunst? Gibt es einen Traum, den du dir erfüllen würdest?
Ohne die Kunst und Schreiberei kann ich mir mein Leben gar nicht vorstellen. Manchmal wache ich nachts oder morgens auf mit einem oder mehreren unwiderstehlichen Gedanken, die ich sofort aufschreiben muss, damit sie nicht wieder davonfliegen.
Ein Traum? Immer und viele, am liebsten viele Ausstellungen und Lesungen, die mir andre organisieren und ich dann bloß noch lesen muss oder meine Bilder/Objekte vorstelle.
Bei den Ideen von meinen Performances bräuchte ich Leute, die mir bei der Realisierung helfen und mit mir zusammen schaffen.
Welches Medium würdest du mit auf eine einsame Insel nehmen?
Viel Papier zum Schreiben, Bleistifte, Kohle, Kreiden.
Wie möchtest du als Künstlerin wahrgenommen werden?
Mir würde genügen, wenn sich die Leute mit meinen Werken auseinandersetzen, dass sie ins Nachdenken kommen, dass sie auf neue Ideen kommen und Assoziationen zu ihrem eigenen Erleben finden können. Sie müssen nichts so verstehen, wie ich es vielleicht gestaltet/geschrieben/gemeint habe, sondern ich würde damit einfach mit ihren eigenen Lebensentwürfen ein Stück weit mitgehen dürfen.
Wie stehst du zur Vergänglichkeit? Allgemein und in der Kunst, mit deiner Kunst?
Ohne Vergangenheit keine Gegenwart oder Zukunft. Gedanken von vor Jahren, Bilder vor Jahrzehnten, Menschen in und außerhalb meines Begegnungshorizonts innerhalb meiner Gedankenwelt: Vergänglichkeit ist wichtig und für mich ein Baustein für jetzt und morgen oder übermorgen.
Was ich gestern gemalt/gemacht/gedacht/gefühlt/geschrieben habe, wird heute gesehen/gelesen/erzählt/behandelt/verwoben mit noch Älterem oder gespürt in die Zukunft.
Was sind deine größten Herausforderungen in deiner Arbeit als Künstlerin?
Dranbleiben, sich nicht zu sehr zu verzetteln, aus verwirrten Ideen entwirrte Knäuel spinnen, Kitsch zulassen und als Wohltat entlarven, in ruhigen Phasen nicht auf Achterbahnen aufspringen, das Schwarz nicht als Verdunkler schmerzzuspüren, sondern als Schutz und Kraftfee (nicht umsonst trag ich so gern schwarze Kleidung!) mit umwerfendem Auftrag zu entlarven, mir selber treu zu bleiben statt im Vergleichswettbewerb zu brillieren, nicht zu schnell auszuflippen, wenn Leute in meiner Kunst nichts/was mir Unverständliches/Projektives etc. sehen wollen/können ... und wenn sie sie zerreißen (welch großartiges Geräusch!) – meine Kunst oder die Geschichten –, dann bleiben die Fetzen bei ihnen, oder?
Was sind die besonderen Momente?
Die Wut, wenn nix gelingt, die Tat, wenn doch noch was entsteht, das Glück des Sich-ausdrücken-Könnens in Wort/Bild/Objekt/Installation/Performance.
Das Reden/Lachen/Schimpfen/Weinen mit Anderen, dass was Neues in einem entsteht, das man vorher noch gar nicht geahnt hat, und die damit verbundene Achtung vor meinem Innenleben.
Wie gehst du mit Kritik um?
Kommt drauf an, wer mich kritisiert. Nörgler und Neider kann ich nicht leiden, nehme sie auch nicht ernst; aber Leute, die sich konstruktiv mit mir auseinandersetzen, sind toll und bringen mich immer ein Stück weiter, auch in meiner eigenen Toleranz und meinem falschen Stolz.
Worauf bist du besonders stolz?
Dass ich nach Flauten und Resignation und häufigen Selbstzweifeln immer wieder aufsteh und mich dran mache und plötzlich ein Hochgefühl und Durchhaltevermögen entsteht, das zu tollen Sachen führt. Und wenn sie doch nicht so toll zu sein scheinen, dass ich mich dranmachen kann, sie als solche zu nehmen und sie auf einmal zu Schokolade werden können.
Was machst du morgens nach dem Aufstehen als Erstes?
Das Fenster auf und Tee trinken, aber manchmal sofort mein neues, sich in Entwicklung befindliches Bild betrachten, möglicherweise sofort weitermachen… oder den Text von gestern Abend durchlesen.
Was macht dir Freude?
Schreiben, malen, lachen, reden, gehen, sehen, weinen, spüren…
Was würdest du gerne verändern?
Geduldiger mit mir werden.
Was bewegt dich momentan?
Ich will nicht aus meiner Wohnung raus! Und wenn, dann brauch ich eine, die mich auffängt und mich aufnimmt.
Wer oder was inspiriert dich?
Manchmal eine Reise, manchmal ein Spaziergang, leise Leute, wachsame und solche, die stehenbleiben/schauen/hören und nicht gleich weiterhetzen zum nächsten Event.
Was ist dir wirklich wichtig im Leben?
Beweglichkeit in jeder Hinsicht.
Auf was freust du dich in der kommenden Woche?
Auf die Vernissage am Freitag, auf den spannenden Aufbau der Ausstellung, auf die Leute, die da kommen, und die Gespräche mit denen; auf die Gedanken, die mir kommen, wenn ich weiterschreibe an meinem Roman.
Hast du eine „geheime“ Schwäche?
Klar, nicht nur eine, aber soll ich die euch jetzt preisgeben?
Hast du eine Vision für die Zukunft?
Ja… Gelassenheit, weniger Hass und ständiges Vergleichen und Besser-sein-Wollen mit anderen; Musik und Tanz und Weichheit im Schweben miteinander in dem Bewusstsein, dass das Runterfallen dazugehört und auch dann welche da sind, die mit mir leben können!
Wünschst du dir etwas von der Gesellschaft?
Ja, allerhand, aber das alles hier aufzuführen würde die Grenzen sprengen…und gesprengt wird doch schon genug auf dieser Welt...
Gibt es noch etwas, was du uns gerne erzählen möchtest?
Und…
Ich lebe so gerne, dass ich es kaum erwarten kann, was alles noch auf mich zukommt… Das ist mal wieder meine Ungeduld…
Wie war unsere Zusammenarbeit für dich?
Toll.
Danke :-)
alle Fotos @ ME