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Frauen 4 Business – Gretta Louw

 "Frauen 4 Business"

Mein Blog für Frauen in der Selbständigkeit und in der Kunst.

 

 

Heute zu Gast bei mir:

Gretta Louw- multidisziplinäre Künstlerin-

aus München

 

Gretta hat mit "The Commons" - Kunst im öffentlichen Raum- die Ausschreibung für den Ravensburger Schussenpark gewonnen und ich durfte Gretta und ihre Kunst fotografieren. Ein Auftrag, den ich sehr gerne übernommen und ein bisschen unterschätzt habe. Grettas Werke leben in ihrem Umfeld und verändern sich je nach Licht und Schatten, Sonne und Wolken genauso wie das bei Personen auch passiert und man den besten Zeitpunkt abwarten oder finden muss. Es war auch spannend zu sehen, wie schnell die Werke aus Botschaft, Typografie und Farbe sich in die Umgebung gefügt und auch durch sie verändert wurden. Müll, Pfützen, Blätter und Schmutz - und dennoch Kunst. Im Öffentlichen Raum, der lebt, belebt ist und verändert wird durch die Benutzung, die Menschen und den Blick, den wir alle auf die Dinge haben. Aus unterschiedlichen Augen, Einstellungen und Blickwinkeln. Danke für die Zusammenarbeit und neue Ein-und Draufsichten, die ich gewonnen habe.

 

Grettas Kunst und mehr Informationen findest du hier:

www.grettalouw.com

 

...und im Interview.

Danke Gretta!

 

 

 

 

Du hast mir mal einen tollen Satz gesagt, als ich dich fragte, warum du Künstlerin bist..du sagtest sowas wie: „Dann mache ich schon keinen Unsinn.“

Bitte erzähl uns in ein paar Sätzen über dein Schaffen als Künstlerin.

Meine Arbeit bewegt sich zwischen Technosphäre und Biosphäre. Ausgehend von neuen Technologien ebenso wie von Stickerei, Ölmalerei und Poesie reflektiere ich über Geschwindigkeit, Zusammenbruch und die Verflechtungen digitaler und lebendiger Systeme – und verweile in der Reibung zwischen ständiger Vernetzung und verkörperter Präsenz.

und..magst du uns ein bisschen Unsinn von dir verraten?

Mein besonderer Unsinn besteht darin, Verbindungen ein wenig zu obsessiv zu verfolgen. Ich beginne mit einem Stück Textil und lande irgendwo zwischen Myzelnetzwerken, maschinellem Lernen und Spätkapitalismus. Kunst zu machen ist im Grunde meine Methode, dieses Verhalten zu legitimieren – sodass ich es Recherche nennen und das ganze Durcheinander wieder zusammensticken kann.

Was ist „the Commons“ und wie kamen deine Werke aus dieser Reihe nach Ravensburg?

The Commons ist ein Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt, das mit poetischen und zugleich provokativen Interventionen – auf Plakatwänden, in sozialen Medien und in textbasierten Arbeiten – dazu einlädt, die Nutzung gemeinsamer physischer und digitaler Räume neu zu denken und den öffentlichen Raum als kollektives, nicht-kommerzielles Gemeingut zu imaginieren. 2024 wurde ich eingeladen, einen Entwurf für ein Kunstwerk im neuen Schussenpark in Ravensburg einzureichen, der glücklicherweise zur Realisierung ausgewählt wurde. Das war der erste permanente Version von The Commons, und wurde speziell für den Ort kreiert.

Wie war deine Arbeit in und mit Ravensburg? Was war für dich typisch für unsere schöne Stadt der Türme?

Die Arbeit in Ravensburg war für mich besonders erfüllend, da ich Teil der Entwicklung eines neuen öffentlichen Parks sein durfte – die Begrünung von Städten liegt mir sehr am Herzen. Die Eröffnung mit Dudelsack- und Trommelband war eine unerwartet schöne Überraschung, und insgesamt habe ich Ravensburg als eine sehr freundliche und herzliche Stadt erlebt.

Was sind deine größten Herausforderungen generell als Künstlerin?

.....was sind die besonderen Momente?

Ich glaube, die größte Herausforderung für mich – als Künstlerin, als nicht-Deutsche – besteht darin, dass ich nie der Standardfall bin. Irgendwie scheint das, was ich tue, nicht ganz in bestehende Systeme zu passen. Ich erfinde neue Arbeitsprozesse, muss ständig Neues lernen und Beziehungen zu neuen Menschen und Kollaborateur*innen aufbauen. Natürlich sind das zugleich große Geschenke, aber es kostet auch viel Energie. Die schönsten Momente sind dann jene, in denen sich diese Arbeit auszahlt – wenn sie Wirkung entfaltet, Menschen berührt oder, und sei es nur im Kleinen, Spuren in Kultur oder Gemeinschaften hinterlässt.

An was arbeitetest du aktuell?

Wie immer arbeite ich gleichzeitig an vielen unterschiedlichen Projekten. Im Sommer wird eine neue The Commons-Skulptur in einem öffentlichen Skulpturengarten auf der Insel Grafenwerth bei Bonn installiert, was mich sehr freut. Außerdem stehen in den kommenden Monaten mehrere Ausstellungen mit Gemälden an, die ich während einer Residency an der Universität Konstanz gemeinsam mit einem Industrieroboter entwickelt habe. Und im Sommer arbeite ich in meinem Wahlheimat weiter – mit einer Gruppenausstellung im Museum Starnberger See, die sich mit Textilien und Stickerei beschäftigt, sehr partizipativ angelegt ist und eng mit den Besucher*innen zusammenarbeitet.

Wenn alles vorhanden wäre: Welches Projekt würdest du sofort umsetzen?

Ein Skulpturprojekt an der High Line in New York!

Woher kommen deine Ideen und Inspirationen?

Ich glaube, meine Inspiration kommt weniger aus einem bestimmten Ort als aus dem ganz normalen Leben in unserer Gegenwart – so hybrid, so überladen mit Eindrücken, so voller Themen, die Aufmerksamkeit fordern. Mein Kopf wird ohnehin ständig in die unterschiedlichsten Richtungen gezogen. Meine Arbeit besteht deshalb weniger darin, neue Ideen zu suchen, sondern eher darin, sie zu ordnen, zu priorisieren und die stärksten so weit wie möglich weiterzudenken. Stoff habe ich an den meisten Tagen genug im Kopf – vermutlich für mehrere Künstler*innenleben.

Wie tankst du auf? zB Kreativität?

Mit Zeit alleine, Ruhe, Zeit in der Natur, und Zeit verwickelt in spannenden Gesprächen.

Was würdest du gerne verändern?

Sehr viel. Ich habe keine Scheu vor Veränderung. Aber nicht leichtsinnig und nicht willkürlich, sondern mit Weisheit. Vom Silicon Valley Motto “Move fast and break things” zum Beispiel halte ich nicht viel. Ich schätze auch sehr Traditionen, vor allem handwerkliche Praktiken, verkörperter Wissenssysteme, und einen tief verankerten Umgang mit der Natur – Wege, nachhaltig, einfach und zugleich genussvoll zu leben.

Was bewegt dich momentan?

Unter anderem die Ankunft des Frühlings – dieses leise, aber unaufhaltsame Wiedererwachen, das jedes Jahr neue Zuversicht mit sich bringt.

Hast du eine „geheime“ Schwäche?

Scrolling auf dem Handy. Leider.

Hast du eine Vision für die Zukunft?

Ja, es geht mir in meiner Arbeit darum, daran zu feilen und ihr eine unwiderstehliche Kraft zu geben.

und…wie war unsere Zusammenarbeit für dich?

Du hast es mir leicht gemacht, vor allem bei den Portraits, die wirklich toll geworden sind! Ich danke dir dafür.

 

 

Fotos@Casagranda Foto