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Helen Baur – eine Frage des Geschlechts – Ausstellung Humpis Quartier

Für die aktuelle Ausstellung im Humpis Quartier Ravensburg (Laufzeit September 2023)

"Eine Frage des Geschlechts?"

durfte ich Frauen aus Ravensburg portraitieren.

Gemeinsam sind wir den Fragen nachgegangen:

Wer bin ich? Was macht mich aus? Wie möchte ich mich darstellen? Was möchte ich aussagen mit dem Foto?

Entstanden sind 14 sehr unterschiedliche Portraits, die ich hier auf meinem Blog zeigen werde.

Jede Frau hat uns auch ein paar Fragen beantwortet, die ihr hier lesen könnt.

Ich freue mich sehr über die Begegnungen und die tolle Zusammenarbeit mit den Frauen und dem Humpis Quartier.

Danke für euer Vertrauen und die Wertschätzung!

 

Helen Baur

 

Engagement, Beruf, Ziele, Ideale ... (was ihr über mich wissen solltet):

Ich bin Sozialarbeiter*in und Aktivist*in und engagiere mich seit 2018 für junge LSBTIQ+ (lesbische, schwule, bisexuelle, trans, inter und queere/questioning+) Menschen im Landkreis Ravensburg und Bodenseekreis.

Insbesondere die Aufklärung und die psychosoziale Gesundheitsversorgung sowie das Bekämpfen von Diskriminierung ist mir dabei die größte Herzensangelegenheit. Aber auch eine Erweiterung des kulturellen Angebots und eine Vernetzung mit bestehenden Akteur*innen.

Seit meinem eigenen Coming Out war es mir wichtig, hier in unserer ländlichen Gegend etwas aufzubauen, sichtbar zu sein, über unsere Lebenslagen hier und weltweit aufzuklären, mit dem Ziel die bestehenden Strukturen auszubauen oder zu erweitern.

Eine intersektionale Sichtweise ist für mich dabei essentiell. Ich möchte auch anderen jungen Menschen ein Vorbild sein und Mut machen sich zu engagieren, Community Building ist dabei eines meiner größten Ziele. Ich bewege mich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Aktivismus und ehrenamtlichem Engagement, Projekten und meinem Broterwerb.

Warum hast Du diese Inszenierung gewählt – Warum hast Du Dich genauso fotografieren lassen?

In meinem Bild kommt meine Vorliebe für leicht exzentrische Vintage Mode zum Vorschein, die manchmal auch mit Geschlechterkategorien bricht und überrascht. Was meinen Ausdruck angeht, probiere ich mich gerne aus und drücke gerne verschiedene Seiten meiner Identität aus,

die sich in einem Spektrum von Weiblichkeit und etwas dazwischen bewegt. Mode hat für mcih kein Geschlecht, in ihr drücken sich aber schon immer auch politische Wandlungen und Zeitgeschehen aus, sie kann starke Symbolkraft haben, wie z.B. der klassische Anzug.

Was bedeutet für Dich „Geschlecht“ als Kategorie, wie definierst Du Dich (als Frau, oder auch nicht)?

Ich definiere mich als Mensch, der als Frau sozialisiert wurde. Meine Identität ist komplex und lässt sich für mich nicht auf wenige Sätze herunterbrechen. „Geschlecht“ ist für mich eine Kategorie, die sehr einengen, aber auch befreien kann. Ich identifiziere mich mit feministischen Kämpfen und möchte Geschlechterrollen und Kategorien erweitern und in einer gerechteren Gesellschaft leben.

Möchtest Du den Besucher*Innen der Ausstellung etwas mitteilen?

Setzt euch für uns ein, auch wenn ihr nicht selbst betroffen seid. Kämpfe gegen Ungerechtigkeiten können wir nicht alleine gewinnen, für eine gerechtere Welt für alle, ist es wichtig menschenfeindlichen und anti-demokratischen Ansichten und Handlungen entschieden entgegen zu treten, sich zu positionieren und die eigenen Handlungs- spielräume zu nutzen. Das geht durch demokratisches Engagement, aber auch in allen beruflichen Positionen und im Alltag. Wir brauchen die Solidarität von Nicht-Betroffenen.