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Frauen 4 Business – johannaschwarzl

 "Frauen 4 Business"

Im Gespräch mit Frauen im Beruf, der Selbständigkeit, in der Kunst und Musik.

 

Heute zu Gast bei mir:

Johanna Schwarzl

Flötistin

aus Bern

 

Es war ein toller Sommertag mit Johanna, ihrer Flöte ,ihrer Mutter und meiner Kamera in Ravensburg. Heiß war es auch. Und sehr kontrastreich. Im Licht, den Locations und Outfits, die wir vorher besprochen hatten und uns trotzdem haben treiben lassen.
Denn man kann nicht alles planen bei solchen Fotos. Das Licht, Zaungäste und plötzliche Eingebungen und RIchtungsänderungen haben mich in neue Ravensburger Gassen geführt und Johanna für ihre Arbeit einen ziemlich großen Bilderpool für ihre neue Homepage
www.johannaschwarzl.com  und ihren Instagramaccount www.instagram.com/johannaschwarzl beschert.
Ich bin an einiges Wissen über Flöten, Ensembles und Frauen in der klassischen Musikbranche reicher und ich liebe solche Tage, Aufträge und Fotos.
Zwei kreative Frauen, die das Können der anderen sehr schätzen, sich aufeinander einlassen, in den Flow kommen und zusammen tolle Bilder erschaffen.
Danke Johanna. Auch für deine Antworten hier im Interview.

 

 

Wolltest du schon als Kind Flötistin werden?

Nein. Ich wollte Flöte spielen, weil meine Tante auch Flöte gespielt hat. Aber als Kind wusste ich nicht einmal, dass es diesen Beruf gibt. Das kam erst viel später in meiner Teenagerzeit.

Wo flötest du?(sagt man das überhaupt so profan?)

Mir gefällt die Frage so :-) Ich flöte im Berner Symphonierorchester in der Schweiz und bin Soloflötistin dort. Gleichzeitig unterrichte ich Flöten an der Zürcher Hochschule der Künste. Und sonst hier und da, wenn man mich fragt..

 

Was fasziniert dich ausgerechnet an diesem Instrument? Erzähl uns bitte ein bisschen etwas darüber.

Ich mochte schon immer den Klang und das Atmen. Flöte spielen braucht extrem viel Luft, gleich viel wie das Spielen einer Tuba. Dadurch hat es auch schon ein fast sportliches Element. Ich mochte immer das Gefühl, Musik “auszuatmen”

 

Was für berufliche Möglichkeiten hat man als Flötistin und wie wird man Flötistin in einem Ensemble?

Der “klassische” Weg ist entweder der Weg ins Orchester oder an eine Musikschule. Für Beides gibt es ziemlich anspruchsvolle Auswahlkriterien. Um eine Festanstellung in einem Orchester zu bekommen, muss man zuerst ein Probespiel gewinnen (eine Art Casting, in dem man sich in mehreren Runden gegen die anderendurchsetzt). Hat man das Probespiel gewonnen muss man ein Probejahr absolvieren, zu dessen Ende alle anderen Orchestermitglieder abstimmen, ob man bleiben darf. Inzwischen hat sich das Berufsfeld aber sehr gewandelt. Der “klassische” Weg istschon lange nicht mehr der Einzige. Die meisten arbeiten als Freischaffende und spielen in unterschiedlichen Ensembles und unterrichten teilzeitlich.

Wenn du bei einem Auftritt alles spielen dürfest, was du möchtest: Was wäre das?

Ich denke weniger in einzelnen Werken, sondern eher an ein Gesamtkonzept. Ich finde Konzertformate spannend, in denen eine Geschichte erzählt wird oder verschiedene Kunstformen kombiniert werden. Auch Improvisation finde ich sehr spannend.

Ich habe gehört, frau hat es als Profimusikerin nicht leicht. Worin macht sich das bemerkbar?

Für mich aktuell im Moment: Familiengründung. Der Wettbewerb in der klassischen Musikbranche ist sehr hoch und sagt man Engagements ab aufgrund einer Schwangerschaft oder Elternzeit, werden einfach andere gefragt. Diese Lücke füllen dann oftmals Männer im selben Alter. Ich habe auch (glaube ich noch nie) von einem männlichen Musiker gehört, der aufgrund von Elternzeit spannende Engagements abgesagt hat.

Wie könnte das verändert werden?

Indem man anfängt, das Ideal des “jungen Wunderkinds” herabzusetzen. Durch diesen Druck, dass man möglichst jung alles erreicht haben muss, sind Frauen durch “den Ausfall” während Schwangerschaften benachteiligt. Auch das Ideal, dass man für die Kunst nur ganz oder gar nicht existieren kann und sonst eben kein(e) wahre KünstlerIn ist, ist Quatsch.

Gibt es unter Frauen eher Konkurrenzdenken oder Zusammenhalt?

Das ist sicher unterscheidlich- ich habe aber eher Zusammenhalt erlebt.

Möchtest du angehenden Musikerinnen etwas mit auf den Weg geben?

Lasst euch Zeit und traut euch, euren eigenen Weg zu gehen.

Wünscht du dir, dass deine Kinder in deine bzw eure Fußstapfen treten?

(Johannas Mann ist auch Musiker)Nicht unbedingt- ich möchte, dass sie das machen, was ihnen Freude bereitet.

Wie viel Zeit verbringst du mit üben?

Das kommt drauf an. Früher viele Stunden am Tag. Jetzt mit zwei kleinen Kindern bin ich froh, wenn ich 1-2 Stunden schaffe.

Flötest du deinen Kindern auch mal was vor? Oder ist privat die Flöte weggepackt?

Privat ist sie eher weggepackt. Aber sie wollen oft beim Üben zuhören. Da bekommen sie viel mit.

Apropos: wie bekommst du Familie und Beruf unter einen Hut?

Eigentlich bekomme ich es nicht unter einen Hut- ich habe viele Hüte und bin Meisterin im fliegenden Wechsel.

Was sind deine größten Herausforderungen?

Meinen Zielen treu zu bleiben und nicht einfach immer das zu machen, was alle anderen machen.

.....was sind die besonderen Momente?

Wenn ich mich “freispielen” und ganz im Moment sein konnte im Konzert.

Wie gehst du mit Kritik um?

Ich finde gut, mein Mann findet schlecht… Spass beiseite- Ich ignoriere sie, bis ich genug emotionale Distanz habe, um sie umzusetzen und ihr etwas abzugewinnen. Und wenn es einen Dirigenten und somit eine Autorität gibt, dann setze ich sie sofort um.

Was machst du morgens nach dem Aufstehen als erstes?

Kaffee trinken und 25 Fragen meines 3 Jährigen Sohnes beantworten

Was bewegt dich momentan?

Dass es für viele Dinge keine Lösung gibt und Ertragen dazugehört.

Wer oder Was inspiriert dich?

Die Malerei von Makoto Fujimura, die Musik von Mahler, der Wald, Schubert, Bücher von Paul Mercier, etc..

Was ist dir wirklich wichtig im Leben?

Beziehungen

Hast du eine „geheime“ Schwäche?

Ich liebe die Serie “Um Himmels Willen” über ein paar Nonnen im Kloster Kaltenthal seit ich klein bin.

Wünscht du dir etwas von der Gesellschaft?

Mehr Zuhören. Mehr nach Gemeinsamkeiten suchen. Dass wir uns selbst nicht immer so wichtig nehmen.

Wie war unsere Zusammenarbeit für dich?

Angenehm wäre ein deutliches Understatement. Ich habe mich im Prozess immer sehr wohl und angenommen gefühlt. Ich musste viel Lachen. Von den Bildern bin begeistert. Dein Auge und dein Talent machen daraus weit mehr als Portraitfotos. Du interpretierst mit deiner Kamera und das finde ich unglaublich spannend!

Danke dir!

 

@alle Bilder von Casagranda Foto