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Frauen 4 Business – MiMe Handwerk

 "Frauen 4 Business"

Mein Blog für Frauen in der Selbständigkeit. Im Beruf. Im Handwerk. In der Schreinerei.

 

 

Heute zu Gast bei mir:

Mirjam Merk - MiMe Handwerk -

Vogt

 

Mirjam und Julia haben mir letztes Jahr meine kleine mini Rumpelkammerküche in ein kleines Schmuckstück verwandelt. Wenn ich mich richtig erinnere meinte Miri, sie hätte noch nie mit so krummen und schiefen Böden und Wänden gearbeitet. Da bin ich schon fast ein bisschen stolz drauf.

Und ich freue mich immer noch ständig über den zusätzlichen Raum und die Arbeitsfläche, die die beiden aus dem Nichts gezaubert haben. Eine interessant lustige Erfahrung war auch, dass mir jegliche Kompetenz aus den Füßen geflossen ist, als ich nach meiner Meinung zu irgendwas Technischem gefragt wurde. Wer mich kennt weiß, dass ich schon fluche, wenn ich einen Hammer benutzen soll. Hut ab! Ich habe keinen Fluch gehört, nur fröhliche Gesichter gesehen. Und meine Küchenwände sind wirklich ziemlich schief!

Ach ja und Ahorn! Ich bin jetzt Ahorn Fan!

 

Ihre Arbeiten und mehr Informationen findest du hier:

https://www.mime-werkhand.com

 

...und im Interview.

Danke Mirjam und Julia

 

 

 

 

Was verbirgt sich hinter dem Namen MiMe WERKHAND?

Mirjam Merk und Handwerk umgedreht

Mirjam, wie bist du zur Schreinerei und deiner Selbstständigkeit gekommen?

Nach der Schule habe ich meine Ausbildung zur Schreinerin gemacht. Als ich das erste Jahr als Gesellin gearbeitet habe, wurde ich schwanger. Mein Betrieb wurde stillgelegt und ich konnte nicht nach dem Mutterschutz dort weiterarbeiten. Dann habe ich studiert und als Lehrerin gearbeitet. Als meine Kinder größer waren, kam ich zurück zu meinem Herzblut-Beruf. Die Selbständigkeit war eher Zufall: ein Kollege fragte mich, ob ich in der neugegründeten Werkstattgemeinschaft mit einsteigen will. Dieses Angebot war reizvoll und ich wollte das mal ausprobieren. Die ersten sechs Jahre habe ich in Teilzeit hier gearbeitet, ab 2019 hab ich mich Vollzeit selbständig gemacht.

Wie habt Ihr zueinander gefunden und wie ergänzt Ihr Euch?

Wir waren schon befreundet und Julia war ein paar Mal als Helferin bei Montagen dabei. Das hat für uns Beide gut gepasst und deshalb hat Julia zunächst als Minijobberin und seit 2024 60% hier gearbeitet. Julia ist mein Multitool. Sie kann alles, was ich vorbereitet habe und zusammen macht es uns sehr viel Spaß.

Erzählt mal bitte, wie ist es als Frau im Handwerk?

Wunderbar! In unserer Schreinerei arbeiten wir mit so vielen unterschiedlichen Kund*innen an kleinen und größeren Projekten. Wir kombinieren unterschiedliche Materialien immer wieder neu und bekommen die Rückmeldung unmittelbar. So ist unser Arbeitsalltag abwechslungsreich, herausfordernd und großartig, es wird nie langweilig. Es kommt noch vor, dass allwissende Männer unseren Weg kreuzen – da stehen wir unsere Frau.

MiMe WERKHAND ist eine Schreinerei in einem besonderen Konstrukt mehrerer Schreinereien. Bitte erzählt uns darüber.

Wir sind in Vogt in der Schachenstraße in einem Werkstattgebäude mit fünf Betrieben unterschiedlicher Größe. Wir nutzen die Großmaschinen zusammen und gelegentlich helfen wir einander aus. Jeder Betrieb hat seine eigenen und ganz unterschiedlichen Aufträge. So können wir alle niederschwellig über den Tellerrand schauen. Auch die Pausen verbringen wir zusammen undjede*r hat Interesse an allen. Davon können alle nur profitieren.

Welche Arbeiten macht Ihr gerne und welche so gar nicht?

Wir lieben es, Massivholzmöbel zu bauen von Anfang bis Ende. Lackieren wollen wir nicht, machen wir deshalb auch nicht ☺ (TOP! sag ich, Claudi)

Arbeitszeiten in der Selbständigkeit können eine Herausforderung sein, wie habt Ihr das für Euch gelöst?

Das ist eine gute Frage, wir arbeiten dran. Ich habe ein paar Regeln für mich aufgestellt, um gesund und zufrieden zu bleiben.

Mit welchem Holz arbeitet Ihr am Liebsten und warum?

Massivholz: heimische Hölzer, die zum Möbel und dessen Nutzung passen. Der Nachhaltigkeitsgedanke und Transportweg spielt bei der Auswahl immer mit, die Möbel sollen mindestens ein oder zwei oder drei Leben lang genutzt werden können und der gefällte Baum soll nicht zu weit von seiner Herkunft weg sein (das Möbel fällt nicht weit vom Stamm).

Was ist ein Traumjob für dich/ euch als Schreinerin?

Das Schöne an der Arbeit ist, zu Menschen zu kommen, die etwas ganz Spezielles brauchen, aber noch nicht genau wissen, wie es aussehen könnte. Dann planen wir gemeinsam und bauen das, was wir dann ein paar Wochen später einbauen und damit den Alltag der Menschen verschönern und verbessern. Und sowas wie der buddhistische Altar, da kann ich mich austoben in Design und Konstruktion. Und unsere Zusammenarbeit – das macht einfach Spaß. Wir ergänzen uns großartig – beide sind zufrieden mit der Arbeitsaufteilung.

Begleitet Euch die Arbeit mit Holz auch in der Freizeit?

Gelegentlich.

Falls ja, habt Ihr private Projekte?

Manchmal Möbel für zuhause.

Engagiert Ihr Euch für etwas?

Für das Wohnprojekt Klebun.

Was ist Klebun?

Klebun ist ein gemeinschaftliches Wohnprojekt. Wir sind eine Gruppe von 10 Menschen, die sich vorstellen können in sehr kleinen aber autark funktionierenden Appartements zu wohnen und Gemeinschaftsräume, Gegenstände und Zeit miteinander zu teilen. Das Haus wird in der Weststadt am Mittelöschplatz entstehen, es gehört sich selbst und wird immer von denen, die darin wohnen, verwaltet. Es entsteht kein Eigentum und das für den Kredit benötigte Eigenkapital wird aus sehr vielen kleinen Krediten gebildet, die wohlwollende und interessierte Menschen zur Verfügung stellen. Diese werden über die Mieten verzinst und wieder zurückgezahlt. Eine nachhaltige und soziale Geldanlage.

Wer Interesse hat, kann sehr gerne sich weiter informieren unter www.klebun.de

Was sind Eure größten Herausforderungen in der Selbständigkeit als Schreinerin, was sind die besonderen Momente?

Die Lücken der Aufträge bzw. die Sorge diesbezüglich ist wohl die größte Herausforderung der Selbständigkeit. Wenn ein Projekt abgeschlossen ist und alle zufrieden sind, ist das ein besonderer Moment.

Was würdet Ihr gerne verändern, wenn alles möglich wäre, privat oder im Beruf?

Wir wünschen uns weiterhin großartige Aufträge, glückliche Kund*innen, die unsere Arbeit wertschätzen, sodass diese sich auch finanziell für uns lohnen. Wir wünschen uns natürliche auch gegenseitige Wertschätzung aller Menschen und den Weltfrieden.

Wie geht Ihr mit Kritik um?

Das ist tagesformabhängig und kommt auf die Art von Kritik an.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Wir sind auf uns stolz – gegenseitig und selbst.

 

Und…

Wie war unsere Zusammenarbeit für Euch?

Uns hat es viel Spaß gemacht, mit dir zu arbeiten. Im besten Fall ist es eine WinWin Geschichte, wir

wollen auf jeden Fall ein paar Fotos von dir, weil sie uns sehr gut gefallen.

Vielen Dank, dass du auf uns zugekommen bist.

 

Fotos@Casagranda Foto